Shōnishin – nadellose (Kinder-)Akupunktur

Was ist Shōnishin? – in aller Kürze

Shōnishin ist eine nadellose (Kinder-)Akupunktur, die sich speziell für Säuglinge/Kinder, aber auch Erwachesene in sensiblen Lebensphasen, feinfühlige Menschen, oder Menschen mit Nadelphobie, eignet. Im Shōnishin werden die Besonderheiten der (Meridian-)entwicklung von Kindern beachtet und somit auch Lebensthemen, die noch aus der Kindheit entstammen, bei Erwachsenen berücksichtigt.

„Im Shōnishin geht es darum, den Kindern ihr Lachen wieder zurückzugeben!“ Tanioka-sensei

Shōnishin ist eine sehr angenehme und zarte aber dennoch (oder gerade deshalb) sehr wirkungsvolle Form der Akupunktur. Viel hilft viel – stimmt leider nicht immer – und gerade unser Körper reagiert auf wenige, zarte aber richtig gesetzte Impulse sehr deutlich. Aus diesem Grund ist die Qualität der Ausbildung von enormer Bedeutung.

Es gibt nicht nur einen Shönishin-Stil, in Japan haben sich unterschiedliche Shōnishin-Schulen etabliert. Dr. Thomas Wernicke erlernte diese Technik von Tanioka-sensei, dem Vertreter der der Daishi Hari-Schule, und brachte dieses wertvolle Wissen nach Europa und entwickelte es weiter. Heute unterrichtet er nicht nur weltweit, sondern auch in Japan Shōnishin-Techniken und ist ein international anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet. Seine Ausbildung ist die einzige Ausbildung, die außerhalb Japans anerkannt ist.

Ich hatte das Glück von Herrn Dr. Wernicke ausgebildet zu werden und den Shōnishin-Stil der Daishi-Hari-Schule zu erlernen.

Wenn also nicht mit Nadeln - Wie wird behandelt?

20220201_100747 (1)

Im Daishi Hari-Schōnishin wird anders als in anderen Schulen ausschließlich mit nur einem Instrument behandelt. Die Behandlung findet direkt auf der Haut statt.

Es werden Klopftechniken, Streichtechniken, Vibrationstechniken durchgeführt und in unterschiedlichen Rhythmen gearbeitet, um Nervenrezeptoren zu erreichen und anzuregen.

03_20220203_171313 (1)
01_20220203_170620
02_20220203_170411

Das Prinzip der Einfachheit

Gerade bei Babys, Kindern und sensiblen Menschen kommt es schnell zu einer völligen Überstimmulierung des Organismus. Diese Überstimmulierung ist nicht förderlich und sollte vermieden werden. Die in der Zen-Philosophie verankerte Idee der  Einfachheit, Reduktion, Konzentration auf das Wesentliche ist eine Grundhaltung in der Shonishin-Akupunktur.  Dadurch ist sie eine sehr zielgenaue und effektive Akupunkturform. Die eigentliche Behandlung dauert maximal zehn Minuten und der Shōnishin-Akupunkteur achtet sehr genau auf Anzeichen von Überstimmulation während der Durchführung.

Meridiane

Meridiane kann man sich vorstellen, wie ein zusammenhängendes System, die wie Flüsse, den Körper durchziehen und eine Verbindung zu einem Organ haben. Daher auch ihr Name “Herz-Meridian“, “Nieren-Meridian“, usw. Aber wichtig ist, zu verstehen, dass sie nicht nur diese eine Verbindung zu einem bestimmten Organ haben, oder repräsentieren sondern jeder Meridian hat vielfältige Funktionen. So steht der Herz-Meridian nicht nur in Verbindung zu dem Organ Herz, sondern erfüllt viele weitere andere Funktionen. Ähnlich einem Vorgesetzten, der uns nur als Chef in unserem Arbeitsumfeld bekannt ist. Zu Hause aber vielleicht ein künstlerisches Hobby hat, ein liebevoller Großvater ist, eine Bienenzucht betreibt. Er hat eben noch viele weitere Seiten, Funktionen und Einflüsse als nur seine Rolle als Konzernchef.

Die organische Ebene, die Körperfunktionsebene, die emotionale Ebene und die Sinnesebene sind durch das Meridiansystem miteinander vernetzt. Wenn man das weiß, wird klar, warum mit einer Shōnishin-Akupunktur alle Ebenen, auch die emotionale Ebene, angesprochen werden können.

Wenn nun also dieser Energie-Fluss eines Meridians gestört wird, wie bei einem Bachlauf, der durch einen umgestürzten Baum in seinem Fluss gestört wird, kommt es zu einer Stauung. Das Wasser staut sich, es bilden sich zwar Rinnsale, aber das Wasser kann nicht mehr richtig fließen, hinter diesem Stau kommt nur noch wenig Wasser an. Genau so ist es auch mit dem Energiefluss im Körper. Durch äußere Umstände kommt es zu einem Energiestau und dadurch letztlich zu einem Energiemangel. Mit der Shōnishin-Akupunktur wird dieser Energiefluss wieder reguliert.

Shōnishin unterstützt den Körper, dass sich die kindliche Entwicklung auf allen Ebenen ungestört vollziehen kann und die Fähigkeit wieder in das „Hara“ die „Mitte“ zu kommen. Dabei geht es nicht darum immer in der Mitte zu sein oder zu bleiben, das wäre völlig unnatürlich. Es geht um die Flexibilität auf Umstände/Situationen angemessen und flexibel zu reagieren und wieder zur Mitte zurückkommen zu können.

Das Behandlungsziel besteht darin, dass Qi, im Japanischen Ki genannt, zu harmonisieren, dieses Ki entspricht in etwa dem, was wir als „Lebensenergie“ bezeichnen würden.

Was sagt die Wissenschaft?

Für den Ein- oder Anderen mag diese Betrachtungsweise des Körpers ungewohnt, vielleicht sogar merkwürdig klingen. Letztlich ist es nur eine Art die Funktionsweise zu betrachten. Interessant bei der Akupunktur ist aber, dass sie zum einen seit über einem halben Jahrhundert außerhalb Chinas und Japans Menschen mit Akupunktur erfolgreich behandelt werden und das obwohl sich der westliche Geist mit der Betrachtungsweise schwer tut. Dadurch wurde zunehmend das wissenschaftliche Interesse geweckt und Akupunktur und seine Wirkungsweise immer genauer wissenschaftlich untersucht und bestätigt. So konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass Akupunkturpunkte nicht zufällig ausgewählte Stellen sind, sondern jeder dieser Punkte exakt an strukturellen Bündelungen im Gewebe liegt. (sog. Faszien-Austrittspunkte)

Die Haut – unser größtes Organ

Unsere Haut ist nicht einfach nur ein Überzug, eine Schutzbarriere unseres Körpers, sie ist viel mehr als das. Bestimmte Bereiche der Haut stehen zum Beispiel in nervaler Beziehung zu bestimmten Organen. In der japanischen Medizin bekannt als sog. Reaktionszonen, in der westlichen Medizin als die nach dem Neurologen Dr. Head benannten Head`sche Zonen. Das macht man sich in der Shōnishin-Akupunktur zu Nutze und behandelt bestimmte Hautareale mit speziellen Techniken, um den Körper zu stärken.